Kundenschutz durch Beratungsqualität

 

Der Verband VALIDITAS vertritt vor allem jene Finanzdienstleister, die sich schwergewichtig in der Finanzplanung und in der Beratung von Finanzprodukten, Anlagefonds, Sachversicherungen, Lebensversicherungen und Vorsorgeprodukten bis hin zur Vermögensverwaltung engagieren. Wir sprechen dabei von einer kooperativen Beratung des Kunden. Diese Finanzdienstleister waren bisher mehrheitlich nicht in einem Verband organisiert; trotzdem sind es gegen die 3‘000 Unternehmen, welche um die 12‘000 Arbeitsplätze generieren.


I. Das Regulierungsumfeld


In der Europäischen Union wurde – neben der Bankenunion – die MIFID II Richtlinie verabschiedet. Diese regelt unter anderem den Kundenschutz. Es ist absehbar, dass diese Richtlinie auch von der Schweiz im Rahmen des Finanzdienstleistungsgesetzes umgesetzt wird. Sie umfasst zum Anlegerschutz unter anderem:

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  • Verschärfung der Regelungen in der Anlageberatung und Konzept der unabhängigen Beratung: Der Entwurf zur MiFID II sieht vor, dass im Rahmen einer Anlageberatung darauf hinzuweisen ist, ob die Beratung auf  einer unabhängigen Basis erbracht wird. Dabei gilt es, eine Reihe von nach Art und Emittent unterschiedlichen Finanzinstrumenten auf dem Markt zu bewerten. Des Weiteren ist sicherzustellen, dass der die Anlageberatung erbringende Finanzdienstleister dafür keinerlei Drittvergütungen oder sonstige monetäre wie auch nicht-monetäre Vorteile von Dritten erhält. Bei Lösungen, die eine Kombination von Produkten und Services (sogenanntes Cross-Selling) vorsehen, ist der Kunde nun umfassend und verständlich darüber zu informieren, ob die Produkte und Services dieser Lösung einzeln zu erwerben sind. Darüber hinaus sind die Kosten, Gebühren und Preise sowie die Risiken der einzelnen Komponenten auszuweisen
  • Verschärfung der Regelungen zur Geeignetheitsprüfung: Die MiFID II belässt die Regelungen im Rahmen der Prüfung der Geeignetheit von Produkten und Services im Grundsatz unverändert; mit zwei Ausnahmen. Zum einen wird der Umfang der Produkte für die eine Geeignetheitsprüfung vorzunehmen ist, dadurch erweitert, dass nun weniger Produkte für das beratungsfreie Geschäft geeignet sind. Die MiFID II begrenzt den Umfang der für das beratungsfreie Geschäft zulässigen Produkte nun auf die nicht komplexen Finanzinstrumente. Zum anderen wird eine zusätzliche periodische sowie vor der Transaktionsausführung bestehende Reportingpflicht gegenüber dem Kunden eingeführt. Vor der Durchführung einer Transaktion aus einer Anlageberatung ist dem Kunden schriftlich aufzuzeigen, in welcher Weise die Empfehlung der Bank die Präferenzen und Bedürfnisse des Kunden erfüllt. Dem Kunden ist ausserdem periodisch ein Report zu übermitteln, dessen Inhalt von der Komplexität der an den Kunden verkauften Finanzinstrumente und Services abhängt. Bezüglich des zyklischen Reportings betreffend der Geeignetheit führt die MiFID II ein Wahlrecht ein. Dieses sieht vor, dass die Bank regelmässig die Geeignetheit der an den Kunden verkauften und erbrachten Services überprüft und den Kunden dann auch informiert.
  • Verschärfung des Regimes der geeigneten Gegenparteien: Die MiFID II sieht auch verschärfte Informationspflichten der Finanzdienstleister im Geschäft mit geeigneten Gegenparteien vor. Diesen Kunden sind nun rechtzeitig und in verständlicher Form Informationen wie beispielsweise die angebotenen Dienstleistungen und Finanzinstrumente sowie Ausführungsplätze, Kosten und Nebenkosten zu übermitteln. Darüber hinaus sind auch geeignete Gegenparteien im Rahmen eines periodischen Reportings über die ihnen verkauften Produkte und Services und die damit verbundenen Kosten und Gebühren zu informieren.


II. Position VALIDITAS


Vor diesem Hintergrund setzt sich die VALIDITAS  ein für:

 

  • Die Differenziertheit in der Regulierung: Finanzmarktregulierung muss sowohl auf die Akteure als auch auf die Produkte Rücksicht nehmen. Anlagefonds sind beispielsweise ganz anders als strukturierte Produkte, welche wiederum andere Qualitäten haben als Lebensversicherungen. Eine effiziente Regulierung, die keine Wettbewerbsverzerrungen bewirken, berücksichtigt diese Differenzen.
  • Anlegerschutz muss den Kundinnen und Kunden dienen: Anleger haben ein legitimes Interesse daran, ihr Vermögen zu optimieren, meist im Hinblick auf ihr späteres Leben nach Aufgabe der Erwerbstätigkeit; ihnen müssen genügende, differenzierte und qualitative Produkte und Beratungen zur Verfügung stellen. Der Anlegerschutz kann nicht so weit gehen, die Kundinnen und Kunden von den Finanzdienstleistungen auszuschliessen. Schon gar nicht sollen Kundinnen und Kunden mit kleineren Vermögen vom Markt ausgeschlossen werden. Erste Banken verweigern diesen bereits den Zugang zu einer professionellen Beratung.
  • Anlegerschutz liegt im ur-eigenen Interesse aller Finanzdienstleister: In der Schweiz befinden sich Finanzdienstleister und Anleger auf Augenhöhe und deshalb ist die Beratung ein Dialog unter Gleichgestellten mit dem gleichen Ziel. Dies soll so bleiben. Es ist falsch, Anleger zu entmündigen oder Finanzdienstleister zu kriminalisieren.

Um gleichzeitig den neuen Anforderungen gerecht zu werden und die Schweizer Tugenden des Beratungsdialogs unter Gleichgestellten fortzuführen, verpflichten sich die Mitglieder der VALIDITAS, den Vorsorgeplan als zentrales Beratungsinstrument einzusetzen.


III. Vorsorgeplan als zentrales Beratungsinstrument


Die VALIDITAS  verlangt von ihren Mitgliedern, dass sie alle Finanzberatungen mit einem rollenden Vorsorgeplan erbringen. Dies bringt folgende Vorteile:

 

  • Vorsorgepläne enthalten die Ziele und Mittel des Anlegers zum Zeitpunkt der Planung und der Empfehlungen; wenn sie rollend aktualisiert werden, dienen sie auch als „Report“ über getätigten Anlagen und Performance, d.h. sie dienen der Information und Aufklärung der Kunden sowie zur Messung der Leistung des Finanzdienstleisters. Sie erfüllen zu hundert Prozent die Anforderungen einer Angemessenheits- und Eignungsprüfung, wie sie der Gesetzgeber verlangt. Sie wird einmal erfasst und historisiert fortgeschrieben.
  • Der Vorsorgeplan umfasst eine klare und umfassende Beratung, welche alternative Wege / Produkte berücksichtigt und Kunden und Dienstleister stets auf das gleiche Ziel ausrichtet. Er ersetzt eigentlich den gemäss KAG verlangten Beratungsvertrag, weil er umfassender ist und den Kunden damit besser schützt.
  • Mit dem Vorsorgeplan sind beide Seiten verpflichtet, regelmässig die Zielerreichung und die Performance zu überprüfen, was wiederum das Wissen der Kundinnen und Kunden über das eigene Vermögen sowie über den Markt als Ganzes stetig vergrössert
  • Der Vorsorgeplan bringt alle Finanzdienstleister dazu, gewisse Mindeststandards zu erfüllen und somit dient er auch als Verhaltenskodex.

  • Der Vorsorgeplan erlaubt es dem Kunden, beim Wechsel des Finanzdienstleisters, seine gesamte „Historie“ transparent und ohne Wissensverlust weiterzugeben.

 

IV Fazit


VALIDITAS  steht zu einem verantwortungsbewussten und verantwortungsvollen Finanzplatz Schweiz. Als Verband ist VALIDITAS  vor allem daran interessiert, die hohe Qualität der Schweizer Finanzdienstleister zu erhalten und die Schweizer Tugend der Beratung im Dialog auf Augenhöhe weiterzuführen. Damit dies gelingt, gehen die Mitglieder von VALIDITAS mit gutem Beispiel voran und machen den Vorsorgeplan zum zentralen Beratungsinstrument.

 

Zürich, 12. Juni 2014